Vodafone: Runde zwei. Und die ist schlimmer.

Zwei Wochen nach dem 30-Stunden-Ausfall ist das Vodafone-Kabelnetz wieder down — diesmal seit über 4 Tagen. Mit Monitoring-Daten, Chaos-Analyse und meinem neuen Failover-Setup.

Ich dachte, der erste Ausfall wäre das Thema für ein paar Tage. Dann würde ich wieder vergessen, dass mein Internet von Vodafone kommt. So war der Plan.

Spoiler: Der Plan hat nicht funktioniert.

“Immerhin läuft’s wieder stabil.” — Ich, am 20.04., zum letzten Mal.


Zwischenstand: Zwölf ruhige Tage

Zur Einordnung: Nach dem ersten Ausfall am 07./08. April war mein Anschluss tatsächlich wieder stabil. Die Monitoring-Daten von 09.04. bis 20.04. sehen aus wie die Zeit davor — 0 Fehler, Antwortzeiten zwischen 34 und 53 Millisekunden, alles im grünen Bereich.

Einzige Ausnahme: Am 16.04. um 17h gab es eine Stunde mit 518 ms Durchschnittslatenz — keine Fehler, kein Ausfall, aber spürbar träge. Könnte ein Routing-Wackler gewesen sein. Ich hab’s notiert und vergessen.

Zwölf Tage Normalzustand. Ich war fast beruhigt.


21. April, 04:00 Uhr: Runde zwei

Die Daten erzählen das ganz nüchtern:

ZeitraumOKERRORØ Antwortzeit
21.04. 03h (letzte gute Stunde)12047 ms
21.04. 04h932.536 ms
21.04. 05h1109.902 ms
21.04. 06h–15h0je 11–13~10.005 ms
21.04. 16h1119.930 ms
21.04. 17h2109.923 ms
21.04. 18h–23h0je 11–13~10.006 ms

Bekanntes Muster, bekannte Zeiten: ab ~04:00 Uhr morgens beginnt die Verbindung zu flattern, um 06:00 Uhr ist alles weg. Genau wie beim ersten Ausfall. Nur: beim ersten Mal kam das Netz nach 30,5 Stunden zurück.

Diesmal nicht.


Was diesen Ausfall anders macht

Beim ersten Ausfall war die Sache brutal klar: 10.000 ms Timeout, 0 erfolgreiche Tests, stundenlang. Totalausfall.

Dieser Ausfall ist chaotischer — und damit auf eine andere Art frustrierender. Das Netz flackert. Es gibt immer wieder kurze Fenster, in denen einzelne oder sogar viele Tests durchkommen:

  • 22.04. 00h: 5 von 12 Tests OK
  • 22.04. 19h: 7 von 14 Tests OK
  • 23.04. 15h: 13 von 14 Tests OK — fast wieder da. Dann weg.
  • 24.04. 01h: 13 von 14 Tests OK — wieder kurz fast stabil. Dann weg.
  • 24.04. 02h–04h: drei Stunden in Folge mit 12/12 bzw. 13/13 Tests OK, Latenzen um 40 ms — echte, vollständige Verbindung
  • 24.04. 05h: 3 von 11 Tests OK — und dann wieder Blackout

Das ist kein einfacher Kabelbruch. Das riecht nach einem instabilen Signal im Kabelnetz — etwas, das unter Last wegbricht, nach Stunden kurz stabilisiert und dann wieder einbricht. Für Vodafone muss das schwerer zu lokalisieren sein als ein harter Ausfall. Für mich ist es schwerer auszuhalten.

Gesamtdauer bisher: über 4 Tage — und zählt.


Meine Antwort: FRITZ!Box 6860 5G als Failover

Irgendwann am 24. April war es für mich klar: ich warte nicht mehr passiv auf Vodafone. Ich hab eine FRITZ!Box 6860 5G bestellt und sie per LAN an meine bestehende FRITZ!Box 6690 Cable gehängt.

Das Prinzip: Die 6860 übernimmt den Internetzugang über 5G, wenn die 6690 keine WAN-Verbindung hat. AVM macht das transparent — kein manuelles Umschalten, keine Änderungen an der Netzwerkkonfiguration. Die Geräte im LAN merken davon im Idealfall nichts.

Und das Ergebnis? NAS still. Proxmox still. SmartHome still. Die ganzen Benachrichtigungen, die mich in den letzten Tagen beschäftigt haben — Ruhe.


Ganz rund läuft es noch nicht

Das Monitoring zeigt es ehrlich: Die 6690 verliert die Verbindung weiterhin, weil Vodafone nach wie vor down ist. Es gibt Momente, in denen der Failover-Wechsel von der 6690 zur 6860 eine kurze Unterbrechung produziert — kurz genug, dass die meisten Geräte nichts mitbekommen, aber sichtbar genug im Log.

Ich hab noch nicht genau rausgefunden, warum. Mögliche Kandidaten:

  • Der Failover-Schwellwert in der 6690 reagiert zu langsam oder zu schnell
  • Die 6860 braucht einen Moment, um die 5G-Einwahl aufzubauen
  • ARP-Cache-Invalidierung beim Wechsel

Das ist mein nächstes Projekt. Im Moment stört es mich weniger als der Dauerzustand der letzten Tage — aber lösen will ich es trotzdem.


Was mich an der ganzen Sache wirklich beschäftigt

Vodafone hatte Anfang April bereits einen 30-Stunden-Ausfall. Zwei Wochen später, gleicher Anschluss, gleiche Uhrzeit, gleiche Fehlersignatur. Und diesmal läuft es jetzt seit über vier Tagen.

Ich stelle mir die Frage: Was haben die in den zwölf ruhigen Tagen dazwischen eigentlich repariert? Haben die die eigentliche Ursache nie gefunden — und was jetzt passiert, ist ein Rezidiv desselben Problems?

Ich habe keine Antwort darauf. Vodafone auch nicht, zumindest nicht für mich als Kunden.

Was ich habe: Monitoring-Daten, die das alles schwarz auf weiß dokumentieren. Und jetzt einen Failover, der dafür sorgt, dass mein Homelab läuft, egal was Vodafone gerade treibt.

Das sollte eigentlich nicht nötig sein. Aber hier sind wir.


Bleibt neugierig,
Alex